Bilder vom überfluteten Messegelände in Balingen. Foto: Beck

Vor allem Balingen, Hechingen und Haigerloch vom Hochwasser betroffen. Straßen werden zu reißenden Flüssen.

Zollernalbkreis - Hundertjährliche Hochwasser in Balingen (283 Zentimeter) und Owingen (297 Zentimeter), das Balinger Au-Stadion knietief unter Wasser, Straßen werden zu reißenden Flüssen – nur einige Folgen der andauernden Regenfälle vom Wochenende.

Der Zollernalbkreis ist nach Angaben von Kreisbrandmeister Stefan Hermann dennoch glimpflich davongekommen.

Bereits am Freitagabend waren die ersten Bäche in Hechingen, Burladingen und im Killertal über die Ufer getreten. Die anhaltenden Regenmassen – allein am 1. und 2. Juni wurden an der Messstelle der Wetterstation in Heselwangen insgesamt 108,2 Liter Regen pro Quadratmeter gemessen – führten zu überschwemmten Straßen und überfluteten Kellern. Kurze Zeit später folgten auch Hochwassereinsätze in Balingen, Albstadt und Straßberg. Der Dauerregen ließ am Samstag die Schlichem stark anschwellen, die Hochwasserentlastung der Schlichemtalsperre sprang an. Der Staudamm sei aber entgegen anderslautender Meldungen nie gefährdet gewesen, sagt Stauwärter Wolfgang Vollmer.

Nach Angaben des Kreisbrandmeisters, der die Arbeit des eigens gegründeten Führungsstabs im Landratsamt koordinierte, erreichten einige Gewässer im Kreis Rekordpegel, die nur alle 50 bis 100 Jahre gemessen werden.

Mehr als 10 000 Sandsäcke und nahezu 2000 Helfer der Feuerwehren und des THW waren von Freitagabend bis Sonntag pausenlos damit beschäftigt, die Wassermassen zu bändigen. Überflutete Straßen und vollgelaufene Keller bestimmten die Arbeit der Freiwilligen. In Ratshausen drohte eine Fußgängerbrücke über der Schlichem einzustürzen.

Die örtliche Feuerwehr sowie umliegende Feuerwehren und das THW waren im Einsatz. Mittels Baggern und provisorischen Halterungen gelang es, die Brücke zu sichern. Der Schienenverkehr zwischen Burladingen und Hausen im Killertal musste aufgrund eines Erdrutsches eingestellt werden.

An Hangwegen droht jetzt besondere Gefahr

Gleich mehrere schwere Erdrutsche ereigneten sich in Albstadt: der schlimmste davon am Klarahof in Ebingen, zwei weitere im Wald oberhalb von Pfeffingen und zwei in Laufen. Waldwege am Hang zu befahren oder zu begehen, könne derzeit lebensgefährlich sein, warnt der Albstädter Stadtbrandmeister Michael Adam.

Zu Kellerüberschwemmungen kam es am Samstagmittag. Betroffen waren Städte und Gemeinden an der Schmiecha, der Schmeie, der Eyach, der Schmeie und der Starzel. Rangendingen, Haigerloch und die Ortsteile Stetten und Bad Imnau sowie Straßberg wurden durch die Wassermassen besonders in Mitleidenschaft gezogen. Mit 2,23 Metern lag der Pegel der Starzel in Rangendingen um 25 Zentimeter über der Hochwassermarke von 2008.

Am frühen Sonntagmorgen waren mehrere Kreis-, Landes- und Bundesstraßen im gesamten Kreisgebiet gesperrt. Ärgerlich für die Rettungskräfte: Mit zwei Fahrzeugen mussten sie ein Paar und seine drei Kinder retten. Sie waren mit dem Auto verbotswidrig auf dem sowieso gesperrten Stück der B 463 zwischen Ebingen und Straßberg unterwegs.

In der Nacht zum Sonntag gingen die Regenfälle zurück, und die Situation entspannte sich langsam. Im Einsatz waren nahezu alle Feuerwehren des Kreises. Nachdem ein Hochwasserzug aus dem Kreis nach Veringenstadt im Landkreis Sigmaringen abgezogen wurde, mussten Katastrophenzüge aus Calw, Sulz, dem Schwarzwald-Baar Kreis und Konstanz angefordert werden. Das THW bekam Unterstützung aus Ofterdingen, Rottweil, Freudenstadt und Rottenburg. Auch das DRK war kreisweit im Einsatz. Am Samstag wurde im Kreis Sigmaringen Überlandhilfe geleistet. 80 Feldbetten des DRK und das Überregionale Kreisauskunftsbüro fuhren nach Veringenstadt. Im Kreisgebiet versorgten 80 DRK-Helfer das Einsatzpersonal mit 1500 Mahlzeiten. In Rangendingen wurden zwei Personen aus ihren Wohnungen ins Altersheim gebracht.

Am Sonntag gingen noch vereinzelte Schadensmeldungen ein, jedoch entspannte sich die Lage. Wie hoch der Schaden ist, den das Hochwasser hinterlassen hat, steht aber noch nicht fest.

Die TSG Balingen vermerkt auf ihrer Internetseite: Ob die Anlagen im Au-Stadion jemals wieder benutzbar sind, steht in den Sternen. Kunstrasenplatz, Rasenspielfeld und Funktionsräume standen direkt nach dem Abpfiff des Landesliga-Heimspiels der U 23 gegen den SV Ochsenhausen unter Wasser. "Sehr wahrscheinlich wurden die Anlagen so sehr beschädigt, dass sie komplett neu aufgebaut werden müssen." u Hintergrund